Digitalisierung

Erster Bericht über die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie digital@bw

Der erste Digitalisierungsbericht der Landesregierung gibt einen Überblick über die Umsetzung der Digitalisierungsprojekte aller Ressorts. Wichtige Vorhaben sind zum Beispiel die Themen Gesundheit, Mittelstand oder Forschung.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Digitalisierungsminister Thomas Strobl haben in der Regierungspressekonferenz in Stuttgart den ersten Bericht zur Umsetzung der Digitalisierungsstrategie digital@bw vorgestellt und Fragen der Journalisten beantwortet. © Staatsministerium Baden-Württemberg

„Mit dem ersten Digitalisierungsbericht von digital@bw zeigen wir, dass wir als Landesregierung die Herausforderungen des digitalen Wandels konkret, zügig und kraftvoll angehen. Die Digitalisierung soll schließlich nicht irgendwann, sondern jetzt und heute gestaltet werden. Das müssen wir aber auch, wenn wir im internationalen Wettbewerb vorne mit dabei sein wollen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Digitalisierungsminister Thomas Strobl hatte zuvor im Kabinett den ersten Digitalisierungsbericht der Landesregierung vorgestellt. „Im November des vergangenen Jahres hat die Landesregierung entschieden, welche konkreten Leuchtturmvorhaben angepackt werden. Nicht einmal ein halbes Jahr später können wir die erste Bilanz ziehen. In vielen Bereichen sind die Förderprogramme angelaufen. Die ersten Projekte sind in der praktischen Umsetzung und können von den Menschen im Land konkret genutzt werden“, erklärte Digitalisierungsminister Strobl.

Der erste Digitalisierungsbericht der Landesregierung gibt einen Überblick über die Umsetzung der Digitalisierungsprojekte aller Ressorts. „ Wir gestalten den digitalen Wandel mit konkreten Projekten – und zwar dort, wo wir die Lebensqualität der Menschen verbessern können. Das gilt beispielsweise für die Gesundheit oder für die Bewältigung des digitalen Strukturwandels durch die Unternehmen in unserem Land, denn dort sind wir starken Veränderungen unterworfen. Ebenso konzentrieren wir uns auf Schlüsselthemen wie die Künstliche Intelligenz, bei denen wir trotz starker internationaler Konkurrenz die Nase vorne haben wollen“, sagte Digitalisierungsminister Thomas Strobl.

Wichtige Vorhaben, über deren Umsetzung der erste Digitalisierungsbericht Auskunft gibt, sind zum Beispiel:

Glossar

  • Mit Kompetenz im biologischen Sinn ist die Eigenschaft eines Bakteriums gemeint, DNA von außen aufnehmen zu können.
  • Transformation ist die natürliche Fähigkeit mancher Bakterienarten, freie DNA aus der Umgebung durch ihre Zellwand hindurch aufzunehmen. In der Gentechnik wird die Transformation häufig dazu benutzt, um rekombinante Plasmide, z. B. in E. coli, einzuschleusen. Hierbei handelt es sich um eine modifizierte Form der natürlichen Transformation.
  • kb ist die Abkürzung für Kilobase. Diese Einheit für die Länge von DNA- oder RNA-Molekülen entspricht 1.000 Basen bzw. Basenpaaren der Nukleinsäure.

Gesundheit mit Digitalisierung verbessern

„Als erstes Bundesland haben wir das Fernbehandlungsverbot gelockert. Schon heute erproben wir deshalb modellhaft Fernbehandlungsprojekte“, so Strobl.

  • Mit dem Projekt DocDirekt – Ihr Draht zum Arzt wird beispielsweise eine schnelle und unkomplizierte telemedizinische Fernberatung und Fernbehandlung erprobt. Per Telefon, Videotelefonie oder Chat bekommen Patienten bei akuten Gesundheitsproblemen in den Modellregionen Stuttgart und Tuttlingen kompetente medizinische Fernberatung von 35 niedergelassenen Ärzten.
  • Mit dem Projekt TelePracMan werden Patientinnen und Patienten mit mehreren chronischen Erkrankungen mithilfe einer App unterstützt. Die Patientinnen und Patienten können beispielsweise Symptome in einem digitalen Tagebuch aufzeichnen oder Blutdruckwerte protokollieren. Die App gibt ein individuelles Feedback, ermöglicht ein Selbstmonitoring und gibt im Notfall Hilfestellung.

Mittelstand bei der digitalen Transformation unterstützen

Den Mittelstand als Rückgrat der baden-württembergischen Wirtschaft unterstützt die Landesregierung bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle und hilft besonders kleinen und mittleren Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungswirtschaft bei der Transformation in die sogenannte Wirtschaft 4.0. In der Umsetzung befindliche Projekte sind zum Beispiel:

  • Mit regionalen Digitalisierungszentren (Digital Hubs) schafft die Landesregierung eine Anlaufstelle für kleine und mittlere Unternehmen. Es sind Ideen-, Experimentier- und Kollaborationsräume, in denen unterschiedlichste Kompetenzen, Disziplinen, Ideen, Technologien und Kreativität aufeinandertreffen und sich gegenseitig befruchten. Als Anlaufstelle für kleine und mittlere Unternehmen unterstützen sie schon beim Einstieg in Digitalisierungsvorhaben und bei ihrem Ausbau. Im Februar 2018 hat die Landesregierung entschieden, welche zehn regionalen Digital Hubs gefördert werden. Aktuell läuft die zweite Stufe des Auswahlverfahrens mit der Ausarbeitung formeller Förderanträge.
  • Mit der Digitalisierungsprämie hilft die Landesregierung kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Geschäftsmodelle zu digitalisieren. Ein erster Modellversuch wurde bereits am 10. Juli 2017 gestartet. Es standen 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. In kurzer Zeit wurden insgesamt 254 Anträge mit durchschnittlich 8.844 Euro bewilligt, mit denen Betriebe aus der Bauwirtschaft, dem Gastgewerbe, dem Handel und Handwerk, der IKT-Wirtschaft, der technischen und sonstigen Dienstleistungsbranche, dem verarbeitenden Gewerbe, der Verkehrs- und Logistikbereich sowie der Wissenschaft gefördert werden. Gefördert werden Maßnahmen der Digitalisierung und zur Verbesserung der IT-Sicherheit sowie die digitale Qualifizierung von Beschäftigten. Aufgrund des abgeschlossenen erfolgreichen Modellversuchs letztes Jahr wird die Digitalisierungsprämie unter dem Dach von digital@bw im Jahr 2018 fortgesetzt.
  • Mit dem Abschluss des Ideenwettbewerbs im April 2018 fördert die Landesregierung 15 ausgewählte Projekte mit insgesamt 4 Millionen Euro, die den Transfer von Digitalisierungswissen für Handwerksbetriebe, Industrieunternehmen oder die Baubranche ermöglichen. So zum Bespiel das Projekt „Digitales Innovationsnetzwerk Handwerk 2025“, das auf Sensibilisierung, Information und Weiterbildung von Handwerksunternehmen zu digitaler Transformation abzielt. Aktuell erfolgt die zweite Stufe des Auswahlverfahrens mit der Ausarbeitung konkreter Förderanträge. Mit ersten Bewilligungen ist voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2018 zu rechnen.

Baden-Württemberg wird zum Hotspot für Künstliche Intelligenz

„Der Innovationscampus Cyber Valley macht Baden-Württemberg zum Hotspot für die Erforschung von Künstlicher Intelligenz und Maschinellen Lernens. Wir stärken damit eine Schlüsselkompetenz für die Zukunft des Landes. Denn Intelligente Systeme werden in Zukunft in immer mehr Bereichen des Lebens wichtig: in autonomen Fahrzeugen, als Haushaltshilfe im Alltag oder auch zum Beispiel in winzigen Robotern, die im menschlichen Körper Krankheiten diagnostizieren und bekämpfen“, betonte Ministerpräsident Kretschmann. Unterstützt von Stiftungen werden die Cyber Valley-Partner zusammen mehr als 140 Millionen Euro investieren. Vom Land stammen davon rund 117 Millionen Euro. Diese fließen zum Beispiel in folgende Projekte:

  • Die internationale Max-Planck-Graduiertenschule für Intelligente Systeme hat ihre Arbeit bereits aufgenommen. Sie soll in den kommenden Jahren 100 Doktoranden ausbilden.
  • Forschungsgruppen und neue Lehrstühle werden in einem neuen Innovationscampus in der Region Stuttgart-Tübingen zusammengeführt. Die Planungen für den Bau sind bereits gestartet.

„Baden-Württemberg hat hervorragende Ausgangsbedingungen, um bei der Technologie ‚Künstliche Intelligenz‘ vorne mitzuspielen“, betonte Digitalisierungsminister Thomas Strobl. Hier angesiedelt seien Institutionen mit internationaler Strahlkraft: das Cyber Valley, das Karlsruher Institut für Technologie, das einen besonderen Forschungsschwerpunkt auf Künstlicher Intelligenz legt, der Stuttgarter Technologie- und Innovationscampus STEC der Fraunhofer Gesellschaft, der Kernkompetenzen in den anwendungsorientierten Themen des Maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz hat, sowie die Initiative „Digital Hub Karlsruhe – Artificial Intelligence“ in der Technologieregion Karlsruhe. Auch das EUCOR, ein internationaler Hochschulverbund, an dem die Universität Freiburg maßgeblich beteiligt ist und die die neurotechnologische Forschung, also die Schnittstelle zwischen Gehirn und technischen Systemen ganz entscheidend voranbringt, ist eine wichtige Institution bei der Forschung zu Künstlicher Intelligenz.

digital@bw

Die Digitalisierung ist ein zentraler Arbeitsschwerpunkt der Landesregierung. Dazu hat sie eine Investitionsoffensive gestartet: Rund eine Milliarde Euro werden in dieser Legislatur in die Digitalisierung investiert, rund die Hälfte davon fließt in den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Erstmals werden alle Vorhaben auch unter dem Dach des Digitalisierungsministeriums koordiniert und gebündelt. Mit „digital@bw“ wurde im Sommer 2017 die erste, landesweite und ressortübergreifende Digitalisierungsstrategie vorgestellt. In den kommenden zwei Jahren werden dazu über 70 konkrete Projekte mit einem Volumen von über 300 Millionen Euro umgesetzt, um Baden-Württemberg zur Leitregion des Digitalen Wandels in Europa zu machen. Schwerpunkte von digital@bw sind die Bereiche: Intelligente Mobilität der Zukunft, Digitale Start-Ups, Wirtschaft 4.0, Bildung und Weiterbildung in Zeiten der Digitalisierung, digitale Gesundheitsanwendungen sowie digitale Zukunftskommunen und Verwaltung 4.0. Dazu kommen die Querschnittsbereiche Forschung, Entwicklung und Innovation, schnelles Internet in Stadt und Land, Nachhaltigkeit und Energiewende, Datensicherheit, Datenschutz und Verbraucherschutz. Mit www.digital-bw.de hat die Landesregierung auch ein Schaufenster der Digitalisierung an den Start gebracht. Es ist das zentrale Online-Portal rund um alle Digitalisierungsthemen und -maßnahmen im Land.

Am 4. Juli dieses Jahres wird die Landesregierung ein Festival der digitalen Bildung in Heidelberg veranstalten, um die Chancen und Herausforderungen der digitalen Bildung zu diskutieren.

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