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Land fördert IT-Projekt am Uniklinikum Tübingen

„Integrated Mobile Health Research Platform” nennt sich das Forschungsprojekt des Geschäftsbereichs Informationstechnologie (IT) am Universitätsklinikum Tübingen, das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg in den nächsten zwei Jahren mit 472.000 Euro gefördert wird. Ziel ist es, eine digitale Forschungsplattform zu schaffen, auf der patientenbezogene Daten, die über mobile Endgeräte erhoben werden, für Wissenschaftler bereitgestellt und abgefragt werden können.

Patientenbezogene Gesundheitsdaten können über mobile Endgeräte erhoben werden. © Pixabay

Fortschritte in der Medizin, beispielsweise bei der Behandlung des Schlaganfalls, der Behandlung von Diabetikern oder von Demenzkranken setzen voraus, dass forschende Ärzte über umfangreiche und qualitativ gute Daten von Patienten verfügen. In Frage kommen hier etwa Messwerte wie Herzfrequenz, Glukosewerte, Körpertemperatur, körperliche Mobilität aber auch Angaben aus der Befragung von Patienten. Ärzte können zwar bei Kontrolluntersuchungen nachträglich Momentaufnahmen erheben, aber wenn es gelänge, Daten über Körperfunktionen und Angaben der Patienten dauernd zu erfassen, könnte der Erfolg von Therapien besser beurteilt werden.

Viele Menschen haben ein Smartphone und erheben schon heute mit so genannten Gesundheits-Apps eigene Gesundheitsdaten. Sie werden zwar erfasst, aber nicht so gespeichert, dass die Daten durch Ärzte ausgewertet und mit zusätzlichen klinischen Daten verglichen werden können. Genau dies ist aber für den Erkenntnisgewinn in der klinischen Forschung unverzichtbar.

Glossar

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) wird durch einen Mangel an Insulin hervorgerufen. Man unterscheidet zwei Typen. Bei Typ 1 (Jugenddiabetes) handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, bei der körpereigene Immunzellen die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, zerstören. Typ 2 (Altersdiabetes) ist dagegen durch eine Insulinrestistenz (verminderte Insulinempfindlichkeit der Zielzellen) und eine verzögerte Insulinausschüttung gekennzeichnet.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Die Endokrinologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit Hormondrüsen und ihren in die Blutbahn abgegebenen Produkten, den Hormonen befasst. Die endokrinen Drüsen haben im Gegensatz zu exokrinen Drüsen (z. B. Speichel-, Talgdrüsen) keinen Ausführungsgang.
  • Die Neurologie ist ein Teilgebiet der Medizin und befasst sich mit den Erkrankungen des Nervensystems.
  • Demenz ist eine neuronale Erkrankung, bei der es zu einer fortschreitenden Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Gehirns kommt. Betroffen sind vor allem das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik. Nur bei einigen Formen verändert sich auch die Persönlichkeitsstruktur.

Patientendaten für die medizinische Forschung nutzen

Das IT-Team am Universitätsklinikum Tübingen ist zur Zeit dabei, eine digitale Forschungsplattform für patientenbezogene Gesundheitsdaten, die über mobile Endgeräte erhoben werden, einzurichten. Mit dieser Investition soll das Handling dieser Daten erleichtert werden. Die „Integrated Mobile Health Research Platform“ wird dabei als eine disziplinen- und ortsübergreifend verfügbare Durchführungsbasis für Forschungsvorhaben und klinische Studien dienen. „Diese IT-Lösung soll die medizinische Forschung durch die Vernetzung von Daten voranbringen“, erklärt Ulrich Haase, Leiter des Geschäftsbereich IT am Tübinger Uniklinikum. „Im Wesentlichen müssen Schnittstellen zu bestehenden Forschungsdatenbanken und klinischen Informationssystemen etabliert werden“.

Wichtige Anwendungsfelder sind das forschungsbezogene Patientenmonitoring anhand von Vitalparametern, Studienrekrutierungen und Studiendokumentationen, aber auch Forschungsvorhaben zur Verbesserung der Nachsorge von Patienten. Das bietet sich insbesondere bei neurovaskulären, neurologischen und endokrinologischen Erkrankungen an.

Das Universitätsklinikum wird Eigenentwicklungen vorantreiben und dafür allgemein verfügbare offene Frameworks für die Entwicklung mobiler medizinischer Anwendungen nutzen, wie sie z.B. von den Firmen Apple (Apple ResearchKit/CareKit) oder Google angeboten werden.

Durch die Entwicklung der geplanten IT-Infrastruktur sowie der IT-Anwendungen wird es nicht nur Forschern und Medizinern sondern auch Patienten in einer klinischen Studie möglich sein, effizienter mittels mobiler Endgeräte mit forschungsbezogenen Datenbanken zu kommunizieren. Die damit verbesserte Informationsverarbeitung unterstützt durch einen höheren Datenumfang und Datendichte sowie eine verbesserte Datenqualität die Entwicklung entsprechender Studien. Als Pilotprojekt sollen erste mobile Anwendungen entwickelt werden, die als Machbarkeits- und Usability Studie die Übertragung der Projektergebnisse in die praxisnahe Anwendung aufzeigen werden.

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