Telemedizin ermöglicht flächendeckende Versorgung

Mithilfe eines telemedizinischen Zentrums gelingt es der Regionale Kliniken Holding RKH GmbH aus Ludwigsburg, ihre neun Kliniken miteinander zu vernetzen und eine noch bessere Versorgung der Patienten zu erreichen. Ziel des Klinikverbunds ist es, Ärzte, Pflegeheime und auch weitere Kliniken mit in das Netzwerk einzubinden.

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Onkologie ist die Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst. Im engeren Sinne ist Onkologie der Zweig der Medizin, der sich der Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von malignen Erkrankungen widmet.
  • Die Neurologie ist ein Teilgebiet der Medizin und befasst sich mit den Erkrankungen des Nervensystems.

Eine flächendeckende Versorgung von Patienten ist eines der Ziele im Gesundheitswesen. Damit dies gelingt, hat die Regionale Kliniken Holding RKH GmbH neun regionale Krankenhäuser in drei Landkreisen in Betrieb. Diese dezentrale Anordnung stellt die Ärzte jedoch auch vor Probleme, da zum Beispiel nicht in jedem kleineren Krankenhaus ein Facharzt beispielsweise für Hygiene zur Verfügung stehen kann. Um die bestmögliche Versorgung der Patienten in der Fläche zu gewährleisten, hat die Regionale Kliniken Holding RKH ihre Kliniken daher an ein eigenes Telemedizinzentrum angeschlossen.

Tele-Intensivmedizin

Prof. Dr. Jörg Martin, Geschäftsführer der Regionale Kliniken Holding RKH GmbH © Regionale Kliniken Holding RKH GmbH

Begonnen hat das Projekt „Telemedizin RKH 2020 – Plattform Tele-Intensivmedizin“ auf der Intensivstation. „In der Holding haben wir neun Krankenhäuser, aber nicht alle verfügen über eine große Intensivstation. Daher haben wir diese telemedizinisch angebunden, um frühzeitig Patienten beurteilen zu können, ob diese zum Beispiel verlegt werden müssen“, erklärt Prof. Dr. Jörg Martin, Geschäftsführer des Unternehmens. Bei der telemedizinischen Anwendung handelt es sich um ein Telekonsil. Bei diesem telemedizinischen Hilfsmittel findet eine Beratung zwischen zwei oder mehreren Ärzten statt. Bei dem Patienten ist also immer ein Arzt vor Ort, der gemeinsam mit Fachkollegen im telemedizinischen Zentrum eine Visite durchführt. „Begonnen wurde die Zusammenarbeit zwischen den Kliniken in Ludwigsburg und Mühlacker. Es kam aber schnell der Wunsch auf, von der Klinik in Mühlacker zur Klinik in Neuenburg eine Leitung im Bereich der Kardiologie aufzubauen. Mittlerweile ist auch die geriatrische internistische Tagesklinik in Vaihingen mit angebunden“, sagt Martin, der 25 Jahre als Anästhesist mit dem Schwerpunkt Intensivmedizin gearbeitet hat. Mittlerweile können in fast allen Kliniken der RKH bei Bedarf Ärzte aus Ludwigsburg dazugeschaltet werden.

Mithilfe der neuen Technik kann sich der Arzt mit seinem Kollegen im telemedizinischen Zentrum im Beisein des Patienten beraten. „Dabei können zum Beispiel die Beatmungsparameter begutachtet werden oder der Patient wird gebeten, den Mund zu öffnen“, so der Geschäftsführer. Mit dabei ist eine auf einem Wagen installierte Kamera, die durch das telemedizinische Zentrum gesteuert wird. Hierbei sieht der Patient auf einem Monitor immer die Ansicht, die an das telemedizinische Zentrum übertragen wird.

Erweiterung über den Klinikverbund hinaus

Das telemedizinische Zentrum des Klinikverbunds befindet sich in Ludwigsburg. © Regionale Kliniken Holding RKH GmbH

In naher Zukunft möchte der RKH Klinikverbund die Nutzung der Telemedizin noch erweitern auf die Onkologie. „Wir haben in Ludwigsburg auch eine große onkologische Abteilung und dort kommt es auch immer wieder zu humangenetischen Fragestellungen, die eine Genanalyse erfordern“, berichtet Martin. Da es innerhalb des Klinikverbunds keine humangenetische Abteilung gibt, arbeiten die Ärzte mit externen Humangenetikern zusammen. „Wir planen derzeit, dass wir Patienten in unsere Zentrale einbestellen und ein humangenetisches Gespräch in Anwesenheit des Onkologen aus Ludwigsburg mit dem externen Humangenetiker führen. So ersparen wir dem Patienten die Fahrt in die jeweilige Humangenetik“, so Martin, der das Unternehmen seit 2012 leitet.

Martin hofft mit Hilfe einer Förderung die Vernetzung noch weiter ausbauen zu können. Denn derzeit wird alles über die telemedizinische Zentrale in Ludwigsburg organisiert. Da die Kliniken jedoch über drei Landkreise verteilt sind und der Bedarf immer größer wird, ist eine weitere Zentrale in der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal geplant. Bei einer weiteren Anbindung von Ärzten, Krankenhäusern, Pflegeheimen und Rettungsdiensten über den Klinikverbund hinaus sollen weitere telemedizinische Zentren eingerichtet werden, die sternförmig die umliegenden Nutzer versorgen. Damit können sich die Zentren auch gegenseitig bei einem Ausfall unterstützen. Wenn in einem Krankenhaus beispielsweise ein Neurologe nicht zur Verfügung steht. Und besonders im Nachtdienst ist eine Zentrale für ein größeres Netzwerk zuständig.

Interoperabilität muss sein

Technisch erfüllen die Ludwigsburger alle Anforderungen, damit das System mit der Telematikinfrastruktur verbunden werden kann. „Wir haben von Anfang an nur offene Standards eingesetzt, die nicht hardwareabhängig sind“, erklärt Martin. „Dabei ist besonders wichtig, dass das gesamte System IHE-konform ist.“ Die Initiative „Integrating the Healthcare Enterprise“ (IHE) ist ein Zusammenschluss von Anwendern und Herstellen von IT im Gesundheitswesen, die das gemeinsame Ziel haben, Daten im Gesundheitswesen nach vorgegebenen Standards auszutauschen. Denn nur mithilfe von Standards kann Interoperabilität gewährleistet werden. In Zukunft will der Klinikverbund sein System mit dem des „Teleradiologie Netzwerk Baden-Württemberg“ verbinden.

Digitalisierung dient dem Patienten

Studien haben gezeigt, dass der Einsatz von Tele-Intensivmedizin die Liegezeit und die Mortalität der Patienten senken kann. „Auch bei uns können wir die Tendenz zur Verkürzung der Liegezeiten schon sehen“, bestätigt Martin. „Bisher haben wir allerdings noch zu wenige Daten, um da qualifizierte Aussagen treffen zu können.“ Die Erfahrungen des Klinikverbundes zeigen, dass auch die Ärzte in diesem Rahmen Fahrzeit sparen und damit bessere Arbeitsbedingungen haben. „Die Zusammenarbeit der Ärzte funktioniert allerdings nur gut, wenn die Ärzte sich persönlich kennen, denn der Kontakt muss auf kollegialer Ebene auf Augenhöhe erfolgen“, erklärt Martin. Innerhalb des Klinikverbundes ist die Telemedizin mittlerweile in die Routine integriert und laut Martin gar nicht mehr wegzudenken.

Deutschland hinkt international hinterher

Dennoch sieht der Geschäftsführer die großen Aufgaben der Digitalisierung noch auf den Klinikverbund zukommen: „In Dänemark wurde beispielweise das papierlose Krankenhaus schon realisiert. Und wir in Deutschland müssen uns sputen da dran zu bleiben. Zudem gibt es kaum seriöse Apps für Kliniken und das Gesundheitswesen, mit denen man in bidirektionale Kommunikation mit den Patienten treten kann.“ Die RKH Holding will hier als ersten Schritt freies WLAN zur Verfügung stellen. Und in Zukunft sollen auch das Entertainment sowie das Terminmanagement der Patienten online ablaufen. Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) möchte der Klinikverbund nun Start-ups eine Plattform bieten, um ihre Entwicklung in der Praxis auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Sodass demnächst auch innovative Anwendungen für Smartphone und Tablet in den Kliniken Einzug erhalten können.

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