Telemedizinisch unterstütztes Case Management: Ein Nachsorgemodell für Nierentransplantierte

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Pankreas ist ein anderer Begriff für Bauchspeicheldrüse. Diese quer im Oberbauch liegende Drüse produziert zum einen bestimmte Verdauungsenzyme, die in den Dünndarm abgegeben werden und zum anderen verschiedene Hormone, wie Insulin und Glucagon, die von dort aus in den Blutkreislauf gelangen.
  • Als Transplantation bezeichnet man die Verpflanzung eines Transplantates (Zellen, Gewebe Organe). Es gibt verschiedene Transplantationsarten, die sich nach Herkunft, Funktion und Ort einteilen lassen. So wird bei einer xenogenen Transplantation ein Organ einer anderen Art transplantiert, während dagegen bei einer allogenen der Spender von einer Art stammt. Daneben gibt es noch die autologe Transplantation, bei der Spender und Empfänger dasselbe Individuum sind. Ist der Spender der eineiige Zwilling so spricht man von einer syngenen Transplantation. Eine alloplastische Transplantation wird das Transplantieren von künstlichem Material genannt. Bei Transplantationen werden Immunsuppressiva verabreicht, um die natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegenüber Fremdstoffen zu unterbinden und damit das Transplantat im Körper zu erhalten. Die Zulässigkeit der Organspenden wird durch das Transplantationsgesetz (TPG) seit 1997 in Deutschland geregelt. Tritt Hirntod ein, muss ein Familienangehöriger der Entnahme zustimmen oder ein entsprechender Organspendeausweis des Spenders vorliegen. Am Häufigsten werden heutzutage Niere, Augenhornhaut, Herz und Leber transplantiert.

Projektbeschreibung:

Zusatzangebot zur Regelnachsorge im ersten Jahr post transplant als Optimierung der individuellen Nachsorge bei Nierentransplantierten; durchgeführt mithilfe eines interdisziplinären Case-Management-Teams von Experten im Transplantationsbereich (zwei Oberärzte, eine Pflegefachkraft). Das Team ist für Patienten zeitnah erreichbar von 8-14 Uhr an Werktagen; im Ernstfall 8-21 Uhr täglich. Das Angebot telemedizinischer Dienste besteht im gesamten, ersten postoperativen Jahr und beinhaltet:

  • Telemonitoring (tägliche Überwachung über standardisierte Fragebögen)
  • Echtzeit-Videoberatungen mit Zugriff auf relevante, medizinische Patientendaten des Servers der Universitätsklinik Freiburg für:
    • Case-Management-Dienste
    • Medizinische Beratung/Anordnungen
    • Nachschulung zur Selbstpflege
    • Selbstmanagement-Unterstützung
    • Gesundheitsbezogenes Coaching

Medizinische Fachrichtung:

Innere Medizin, Nephrologie

Ziel des Projektes:

Optimales Langzeitergebnis nach einer Nierentransplantation mit Fokus auf bessere Lebenserwartung und -qualität. Zwischenziele: Entwicklung eines hohen Selbstmanagements und einer hohen Adhärenz bei Nierentransplantierten. Zeitnahes Management von Komplikationen nach den Leitlinien der Medizin zur Reduktion von Dauer und Anzahl ungeplanter Krankenhausaufenthalte und deren Kosten. Die Erreichung der Zwischenziele ist in einer Projektstudie wissenschaftlich belegt und publiziert (Telemedically-supported case management of living-donor renal transplant recipients to optimize routine evidencebased aftercare: A single-center randomized controlled trial. Am J Transplant. 2016 Nov 22. doi: 10.1111/ajt.14138. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 27873477).

Zielgruppe:

Nierentransplantierte nach Lebendspende, nach postmortaler Spende und nach postmortaler Spende in Kombination mit einer Pankreasspende

Projektleitung:

Transplantationszentrum Freiburg (Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Department Chirurgie der Universitätsklinik Freiburg)

Projektzeitraum: 

Oktober 2011 bis April 2014: Projektstudie der Universitätsklinik Freiburg, Evaluation von 46 Patienten ausschließlich nach Nierenlebendspende

Seit Juli 2013: innovatives Nachsorgeangebot an der Universitätsklinik Freiburg für die Patienten nach einer Nierentransplantation

Finanzierung:

  • Abgeschlossene Förderung (2010-2012) im Rahmen des EU-Programms INTERREG IV
  • Einmalige, bereits aufgezehrte Industrieförderung
  • Trotz wissenschaftlicher Belege, fachlicher Preisverleihungen und dem Interesse des Fachpublikums ist es leider nicht gelungen, die Intervention in die Regelversorgung einzuführen. Daher muss das telemedizinische Nachsorgeangebot aus mangelnder Finanzierung bedauerlicherweise zum 31.12.2016 beendet werden.

Kosten: pro Nierentransplantiertem einmalig für ein ganzes Jahr: ca. 2.900 €
Bisherige Patientenzahl mit telemedizinisch unterstützter Nachsorge: 61

Seiten-Adresse: https://www.telemedbw.de/de/projekte/nachsorgemodell-fuer-nierentransplantierte/