Tele-EKG bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen

Glossar

  • Im Elektrokardiogramm (EKG) wird die Summe der elektrischen Aktivitäten aller Herzmuskelfasern registriert. Es wird durch Elektroden von Gliedmaßen und Brustwand abgeleitet und in einer Zeitachse aufgezeichnet (Elektrokardiographie). Aus dem Kurvenlauf lassen sich Aussagen zu Eigenschaften und Erkrankungen des Herzens (Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt) treffen.

Projektbeschreibung:

Im Teilprojekt "Tele-EKG bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen" des Projektes „Erhalt einer flächendeckenden medizinischen Versorgung im Ländlichen Raum – Modellprojekte des Ostalbkreises” wurden Patienten mit Verdacht auf Herzrhythmusstörungen einbezogen. Das Ziel des Projektes war es, selten auftretende Herzrhythmusstörungen zu diagnostizieren. Das Tele-EKG schließt die Lücke zwischen dem Ruhe-EKG oder einem 24-Stunden-EKG, wenn die Herzrhythmusstörungen nur selten auftreten. Mit einem Ereignisrekorder (EKG-Karte der Firma Vitaphone) wurde ein Rhythmusstreifen über 30 Sekunden aufgezeichnet und über ein Telefon direkt auf ein Faxgerät in einer kardiologischen Intensivstation gesendet. Dort wurde das EKG befundet und ggf. interveniert. Der Proband konnte die Karte für ca. 2 bis 3 Monate nutzen. 63 Patienten haben in dieser Zeit EKGs übermittelt, 44 Patienten hatten in dieser Zeit offensichtlich kein Ereignis und haben somit kein Tele-EKG übermittelt. Im Projektverlauf wurden über 1.000 EKGs vermittelt.

Das Alter der Probanden war zwischen 22 und 89 Jahren, im Schnitt betrug das Alter 54 Jahre. Zwei Drittel der Betroffenen waren Frauen. Bei der Befragung wurde deutlich, dass die Symptome bei zwei Drittel der Patienten seit 3 Jahren oder länger bestehen, teilweise bestanden sie sogar 10 Jahre und länger. Bei fast einem Drittel der Patienten konnte in der Anamnese bisher keine Diagnose gestellt werden, bei zwei Dritteln gab es keine spezifische Diagnose, die zu einer adäquaten Therapie geführt hätte. Nach Auswertung der übermittelten EKGs konnte in 44 % der Fälle eine neue Diagnose gestellt werden.

Als Ergebnis des Projekts Tele-EKG bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen lässt sich die Aussage treffen, dass das Tele-EKG eine leicht anzuwendende Methode für alle Beteiligten ist. Es besteht eine hohe Akzeptanz bei Patienten und Ärzten. Bei unspezifischen und/oder selten auftretenden Symptomen, bei denen sich Herzrhythmusstörungen verbergen können, stellt der externe Ereignisrekorder ein wertvolles und sinnvolles diagnostisches Werkzeug dar. Eine telemedizinische Diagnostik bei selten auftretenden Herzrhythmusstörungen sollte ebenfalls in die Regelversorgung der ärztlichen Versorgung Eingang finden.

Medizinische Fachrichtung:

Innere Medizin und Allgemeinmedizin, Kardiologie

Ziel des Projektes:

Das Tele-EKG schließt die Lücke zwischen dem Ruhe-EKG oder einem 24-Stunden-EKG, wenn die Herzrhythmusstörungen nur selten auftreten.

Zielgruppe:

Patienten mit Herzrhythmusstörungen im Ländlichen Raum

Projektleitung:

Dr. Klaus Walter, Dezernent für Gesundheit, Landratsamt Ostalbkreis, Geschäftsbereich Gesundheit

Projektzeitraum: 

November 2008 bis Juni 2012

Finanzierung:

Kosten des Projekts Tele-EKG ca. 230.000 Euro. Finanzierung durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (70 %) und den Ostalbkreis (30 %).

Seiten-Adresse: https://www.telemedbw.de/de/projekte/tele-ekg/