Die Telemedizin und ihre Anwendungsgebiete

Glossar

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) wird durch einen Mangel an Insulin hervorgerufen. Man unterscheidet zwei Typen. Bei Typ 1 (Jugenddiabetes) handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, bei der körpereigene Immunzellen die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, zerstören. Typ 2 (Altersdiabetes) ist dagegen durch eine Insulinrestistenz (verminderte Insulinempfindlichkeit der Zielzellen) und eine verzögerte Insulinausschüttung gekennzeichnet.
  • Onkologie ist die Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst. Im engeren Sinne ist Onkologie der Zweig der Medizin, der sich der Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von malignen Erkrankungen widmet.
  • Radiologie ist ein Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Anwendung von Strahlen (z.B. Röntgenstrahlen, Gammastrahlung, Elektronen) zu diagnostischen, therapeutischen und wissenschaftlichen Zwecken befasst.
  • kb ist die Abkürzung für Kilobase. Diese Einheit für die Länge von DNA- oder RNA-Molekülen entspricht 1.000 Basen bzw. Basenpaaren der Nukleinsäure.
  • Die Pathologie ist ein Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Erforschung und Lehre von den Ursachen, der Entstehung, der Verlaufform und der Auswirkungen von krankhaften Symptomen sowie von Missbildungen beschäftigt.
  • Die Neurologie ist ein Teilgebiet der Medizin und befasst sich mit den Erkrankungen des Nervensystems.

Telematik: Unter Telematik versteht man eine einrichtungsübergreifende und/oder ortsunabhängige vernetzte Anwendung von Telekommunikations- und Informationstechnologie, um Raum (zum Beispiel beim Chatten oder die Weiterleitung von Datensätzen) oder Zeit (zum Beispiel E-Mail) zu überbrücken. Gesundheitstelematik ist also der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie im Gesundheitswesen, um die räumliche und/oder zeitliche Distanz zwischen den verschiedenen Teilnehmern zu überbrücken.

Telemedizin: Die Telemedizin umfasst die Anwendungen der Gesundheitstelematik, die rein medizinischer Natur sind und die die medizinische und behandlungsbezogene Zusammenarbeit von Angehörigen der Heilberufe untereinander und mit Patienten im Rahmen von Vorsorge, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation unterstützen. So gehören unter anderem die Teleüberwachung, Telezweitmeinung oder auch die Teleradiologie in diesen Bereich der Gesundheitstelematik.

Hilfsmittel in der Telemedizin

Gesundheits- und Medizin-Apps: Software, die einen gesundheitsförderlichen Lebensstil, wie zum Beispiel eine gesunde Ernährung unterstützt, wird häufig als Gesundheits-App (Health-App) bezeichnet. Software, die Patienten oder deren Angehörige bei der Bewältigung einer Krankheit, wie zum Beispiel Neurodermitis oder Diabetes hilft, wird als Medizin-App (Medical-App) bezeichnet. Ferner können Medizin-Apps auch die Behandlung durch medizinisches Fachpersonal unterstützen. Sie können auf dem Smartphone, Tablet, Laptop oder Desktop-Computer installiert werden. Je nach Zweckbestimmung können beide Anwendungen als Medizinprodukt eingestuft werden. Sobald eine primär medizinische Zweckbestimmung vorliegt, muss die Software ein Konformitätsverfahren bei der EU durchlaufen.

Online-Videosprechstunde: Bei der Online-Videosprechstunde handelt es sich um ein Gespräch zwischen Arzt und Patient über einen zertifizierten Video-Dienstanbieter. Die Kommunikation ist Ende-zu-Ende verschlüsselt und muss ohne Störungen stattfinden. Die Video-Sprechstunde wird zum Beispiel bei Kontrollterminen angewendet. Um eine Online-Videosprechstunde durchzuführen, bedarf es zuallererst einen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt.

Telediagnostik: Bei der Telediagnostik wird eine Krankheit festgestellt, obwohl Arzt und Patient sich nicht am gleichen Ort befinden. Anwendungsbeispiele sind die Teledermatologie und die Teleneurologie.

Telekonsil: Bei einem Telekonsil findet eine Beratung zwischen zwei oder mehreren Angehörigen der Heilberufe mittels der Telematik statt. Eine Anwendung für das Telekonsil ist zum Beispiel die Telezweitmeinung.

Telemonitoring: Unter Telemonitoring versteht man die telematische Überwachung von Patienten. Dabei werden zum Beispiel die biologischen Messwerte der Patienten mittels vernetzungsfähiger Geräte oder Sensoren überwacht und deren Daten im Anschluss an eine räumlich getrennte Überwachungsanwendung übertragen.

Wearables: Wearables sind am Körper oder an der Kleidung tragbare Computersysteme. Der tragbare Computer nimmt dabei in der Regel Daten aus der Umgebung auf und verarbeitet diese. Im Bereich der Medizin gehören dazu zum Beispiel Hörgeräte. Andere Gesundheits-Wearables sind Fitnessarmbänder die unter anderem den Herzschlag oder die Aktivität aufzeichnen. Die Daten werden häufig zur Auswertung an eine Anwendung (App) auf dem Smartphone gesendet.

Anwendungsgebiete der Telemedizin

Telechirurgie: Bei der Telechirurgie kann der chirurgische Eingriff über ein Telekonsil unterstützt werden und/oder die Operation wird durch einen vom Arzt kontrollierten Roboter durchgeführt (computerassistierte Chirurgie, computer assisted surgery, CAS).

Teledermatologie: Die Teledermatologie dient der Diagnose bei Hauterkrankungen zum Beispiel über eine Online-Videosprechstunde. Ferner kann die Kontrolle erkrankter Hautareale, zum Beispiel bei Neurodermitis oder Hautkrebs, über eine Smartphone-Anwendung stattfinden. Dazu sendet der Patient ein Foto an den behandelnden Arzt und gibt je nach Anwendung noch weitere Beobachtungen ein.

Telekardiologie: In der Telekardiologie werden Daten zum Beispiel eines Herzschrittmachers oder implantierbarer Kardioverter-Defibrillator online an einen Arzt oder ein Behandlungszentrum übertragen. Dabei handelt es sich um eine Anwendung des Telemonitorings.

Teleneurologie: Bei der Teleneurologie werden Untersuchungen bei neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel bei Schlaganfall-Patienten, mittels Telekonsil durchgeführt. Über sogenannten Tele-Stroke-Units können Patienten bereits im Rettungswagen und auch im regionalen Krankenhaus durch Neurologen in Schlaganfallzentren untersucht und überwacht werden. So können auch in Krankenhäusern ohne neurologische Abteilung Patienten optimal versorgt werden.

Teleonkologie: Die Teleonkologie ist ein Anwendungsbeispiel für ein Telekonsil im Bereich der onkologischen Fragestellungen. Experten können zum Beispiel über Telemikroskopie einen Befund an einem Gewebeschnitt durchführen.

Telepathologie: In der Telepathologie werden digitalisierte Labor- und Bilddaten in spezialisierten Zentren ausgewertet. Eine wichtige Rolle spielen dabei moderne Mikroskope, die die Bilddaten direkt an das pathologische Zentrum übertagen und/oder sich dadurch auch fernsteuern lassen.

Telepsychiatrie: Im Bereich der Telepsychiatrie handelt es sich um eine psychiatrische Therapie über eine Online-Videokonferenz. Zusätzlich können über Anwendungen auf dem Smartphone zum Beispiel Abfragen der emotionalen Situation des Patienten vorgenommen werden.

Teleradiologie: Bei der Teleradiologie werden standardisierte, radiologische Bilder (DICOM-Standard) digital an einen anderen Ort übertragen. Die Bilder müssen von einem Arzt auf einem dafür geeigneten Monitor kontrolliert werden.

Telerehabilitation: Bei der Telerehabilitation wird im Anschluss an eine stationäre oder ambulante Behandlung, die eine medizinische Rehabilitation (lat.: Wiederherstellung) erfordert, eine Nachsorge zu Hause mit Hilfe von Kommunikationstechnologien durchgeführt. Dabei kann es sich um eine Live-Online-Therapie auch mit mehreren Teilnehmern handeln oder eine Software die den Patienten anleitet.

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