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Befragung

Deutliche Mehrheit der Deutschen bereit zur Datenspende für die medizinische Forschung

Mehr als drei Viertel (79 Prozent) der Deutschen sind bereit, ihre Gesundheitsdaten anonym und unentgeltlich digital für die medizinische Forschung zur Verfügung zu stellen. Darunter würde eine Mehrheit die Daten zeitlich unbegrenzt bereitstellen, knapp drei Viertel (73 Prozent) mindestens für die nächsten fünf Jahre. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen FORSA-Umfrage im Auftrag der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF), die bei einem Workshop der Medizininformatik-Initiative (MII) zum Thema Patientenpartizipation am 27. August 2019 in Berlin vorgestellt worden ist. Rund 150 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Ethik, Recht, Forschung sowie von Patientenorganisationen diskutierten darüber, wie Patientinnen und Patienten an medizinischer Forschung partizipieren wollen.

Bei der durch den TMF e. V. beauftragten Umfrage wurden 1.006 Menschen über 18 Jahren in Deutschland befragt. 79% der Befragten würde ihre Daten für die medizinische Forschung zu Verfügung stellen. © TMF e.V.

„Die Bereitschaft der Menschen, mit Hilfe ihrer Gesundheitsdaten zur früheren Erkennung und besseren Behandlung von Krankheiten beizutragen, ist erfreulich groß. Es ist nun die Aufgabe der Forschenden gemeinsam mit der Politik zügig die rechtssichere und vertrauenswürdige Umgebung für eine solche Forschungsdatenspende bereitzustellen. Dies kann nur im Dialog mit den Patientinnen und Patienten gelingen“, erklärte Sebastian C. Semler, Geschäftsführer der TMF anlässlich der Vorstellung der Zahlen.

Die Schirmherrschaft des Workshops hat die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Prof. Dr. Claudia Schmidtke, MdB, übernommen. In ihrer Begrüßung warb Prof. Dr. Schmidtke dafür, Patientenorientierung auch im Bereich der Digitalisierung voranzutreiben: „Digitalisierung und vernetzte Gesundheitsdaten werden enorme Vorteile für die Patientenversorgung, für die Gesundheitsforschung und unser Gesundheitssystem insgesamt haben. Die Medizininformatik-Initiative ist ein zentraler Baustein der Digitalisierung unseres Gesundheitswesens. Ich freue mich daher, dass die Medizininformatik-Initiative mit dem heutigen Workshop aktiv den Dialog mit den Vertreterinnen und Vertretern der Patientenorganisationen über das konkrete „Wie“ eines Patienteneinbezugs in die Forschung mit Gesundheitsdaten sucht.“ Ziel müsse es sein, Patientinnen und Patienten, die sich dafür entscheiden, ihre Daten der Forschung zur Verfügung zu stellen, transparente Informationen an die Hand zu geben, die sie in die Lage versetzen, eine gut informierte und selbstbestimmte Entscheidung zu treffen, ob sie einer Datenspende zustimmen wollen oder nicht.

Hannelore Loskill, Bundesvorsitzende der BAG Selbsthilfe, stellte den Wunsch nach Transparenz in den Mittelpunkt ihres Beitrages. Patientinnen und Patienten hätten ein großes und berechtigtes Interesse zu wissen, welche Forschungsvorhaben stattfinden und welche Ergebnisse erzielt werden.

Voraussetzungen für eine stärkere Beteiligung von Patientenorganisationen seien jedoch ausreichend vorhandene Mittel, Deliberation und Kompetenzen, ergänzte Prof. Dr. Silke Schicktanz, Universitätsmedizin Göttingen, die in qualitativen Interviews mit 28 Patientenorganisationen deren Erwartungen und Wünsche an Patientenpartizipation erhoben hat.

97 % der Befragten möchten mit ihren medizinischen Daten Wissenschaftler an Universitäten und öffentlichen Forschungseinrichtungen unterstützen. © TMF e.V.

Prof. Dr. iur. Steffen Augsberg, Deutscher Ethikrat, und Prof. Dr. med. Dr. iur. Christian Dierks, Dierks+Company, betrachteten die „Datenspende“ aus ethischer und rechtlicher Perspektive. Der Begriff sei gegenwärtig juristisch unscharf und gesetzlich komplex. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, eine entsprechende europarechtskonforme Grundlage zu schaffen.

Saara Malkamäki, The Finnish Innovation Fund Sitra, stellte das in diesem Jahr verabschiedete Secondary-Use-Gesetz in Finnland sowie FINDATA vor, eine One-Stop-Agency für den Forschungszugang zu Sozial- und Gesundheitsdaten. Europa sei im Wettbewerb mit den USA und Asien gefordert, einen eigenen Forschungsdatenraum zu schaffen, der auf dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger basieren müsse.  

In der abschließenden Paneldiskussion plädierten die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer für eine größere Transparenz der Forschungsprojekte und eine bessere Kommunikation der erzielten Ergebnisse. Zudem sollten zusätzliche Ressourcen für den frühzeitigen Patienteneinbezug sowie die Patientenaufklärung und -einwilligung bereitgestellt werden. Ziel müsse es sein, die offenkundige Diskrepanz zwischen der breiten Bereitschaft zur Partizipation an medizinischer Forschung und der derzeitigen organisatorischen Umsetzung des Einwilligungsprozesses, die die individuelle Datenspende in Deutschland erschwere, zu überbrücken. Die Ausgestaltung der Patientenpartizipation müsse sich zukünftig stärker als bisher am gesellschaftlichen Nutzen der Datennutzung für die medizinische Forschung ausrichten und dabei die konkreten individuellen Bedürfnisse der Menschen in den Blick nehmen.

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