zum Inhalt springen
Rückblick

eHealth Forum Freiburg 2017 – IT in der Medizin nutzbringend einsetzen

Auf dem siebten eHealth Forum Freiburg konnten sich die 250 Besucher über die neuesten Entwicklungen zum Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen in Baden-Württemberg informieren. Mit dabei war auch in diesem Jahr die Koordinierungsstelle für Telemedizin in Baden-Württemberg. Prof. Dr. Gerald Weisser moderierte die Session „IT-optimierte Behandlungswege“.

Auf dem eHealth Forum Freiburg 2017 wurden zahlreiche erfolgreiche Anwendungen aus der Telemedizin vorgestellt. © Nagel / KTBW

Auch in diesem Jahr informierte das eHealth Forum Freiburg über aktuelle Trends im digitalen Gesundheitswesen. Die durch die Kassenärztliche Vereinigung und Baden-Württemberg: Connected e.V. organisierte Veranstaltung bot in einer Session am Vormittag und zwei parallelen Sessions am Nachmittag ein umfangreiches Programm.

Im Anschluss an die Begrüßung durch Dr. Johannes Fechner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVBW, und Dr. Michael Lauk, Vorstand von Baden-Württemberg: Connected e.V., konnte Morten Elbaek Petersen, Direktor von sundhed.dk, von der erfolgreichen Telematik-Infrastruktur in Dänemark berichten. Sundhed.dk ist das offizielle Portal des staatlichen dänischen Gesundheitssystems. Mithilfe des Portals können sowohl Patienten als auch Ärzte und medizinisches Fachpersonal Informationen, wie die Krankheitsgeschichte der Patienten oder einen Medikationsplan, erhalten und auch miteinander kommunizieren. Zugriff zu seinem persönlichen Bereich hat der Patient mithilfe einer Identifikationsnummer. Der Arzt kann sich in den Bereich zu den Patienten, die er betreut, ebenfalls einloggen. „Diese Plattform ist ein Vorreiter für die Telemedizin und stellt eine Vorbildfunktion für Deutschland dar“, sagt Alexandra Nagel, Projektmanagerin der Koordinierungsstelle für Telemedizin in Baden-Württemberg (KTBW).

Preis für den Sensor mesana

Zum ersten Mal wurde auf dem eHealth Forum Freiburg 2017 ein Preis für Start-ups verliehen. In kurzen Präsentationen stellten die corvolution GmbH (Sensor mesana) aus Karlsruhe, die MPS – Medizinische Planungssysteme GmbH (Chemotherapie-Management-Software ChemoCompile) aus Freiburg und die AmbiGate GmbH (eReha 3D-Sensor) aus Tübingen ihre Entwicklungen vor. Direkt im Anschluss stimmte das Publikum des eHealth-Forums als Jury ab, welche Produkte und Ideen sie für zukunftsorientiert halten. Gewonnen hat den mit 1.000 Euro dotierten Preis die corvolution GmbH. Mithilfe des Sensors mesana können 16 Gesundheitswerte, wie zum Beispiel Belastungsintensität, Stress-Symptome und Schlaferholung, erfasst werden. Der Sensor misst 48 Stunden 20 objektive Kennzahlen des Patienten, indem er ein Elektrokardiogramm (EKG), die Beschleunigung in alle drei Raumrichtungen, die Temperatur und den Luftdruck aufnimmt. Der Sensor wird sowohl für Patienten als auch für Ärzte angeboten.

Baden-Württemberg als Vorbild

Die Koordinierungsstelle für Telemedizin informierte auf dem eHealth-Forum Freiburg 2017 über ihre Arbeit. © Nagel / KTBW

Die von Prof. Dr. Gerald Weisser moderierte Session „IT optimierte Behandlungswege“ gab einen Einblick in digitale Gesundheitsanwendungen. Unter anderem präsentierte Dr. Johannes Fechner das Projekt „MedCall 2.0“. Aufbauend auf dem KVBW-Patiententelefon MedCall soll in den nächsten zwei Jahren eine Internet-Plattform zur digitalen Kommunikation zwischen Patient und Arzt eingerichtet werden. Bei dem Modellvorhaben sind die Vertragsärzte aus Baden-Württemberg eingebunden. Es ist bereits in der Anfrage bei der Landesärztekammer und soll am 1. Oktober 2017 vorerst in Stuttgart mit Fachärzten im Radius von 5 Kilometern starten. Finanziert wird es durch die KVBW. „Mit dieser Kommunikationslösung nimmt Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle ein, die Landesärztekammer hat dafür mit der Öffnung der Berufsordnung bundesweit erstmalig die Voraussetzungen geschaffen. “

Ferner stellte Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik GmbH, in seinem Vortrag eHealth-Anwendungen für die Arztpraxis vor. Dr. Klaus Hartmann, Kinder- und Jugendmediziner, berichtete, wie man mit Digitalisierung kostenintensive Arzneimitteltherapie bei chronisch kranken Kinder und Jugendlichen optimieren kann. „In der Session hat man schön die Bandbreite und auch die Dynamik gesehen, mit der in der Medizin zunehmend die IT nutzbringend eingesetzt wird.“

Viele Menschen wollen die Telemedizin

In der Session „Telemedizin“ berichtete Andreas Vogt von der Techniker Krankenkasse in dem Vortrag „Online Arzt-zu-Patienten-Kommunikation: Die Video-Sprechstunde“ über Erfahrungen der TK mit der Video-Sprechstunde. So führte im Januar und Februar 2017 das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag der TK eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage zum Gesundheitssystem in Deutschland durch (TK-Meinungspuls Gesundheit 2017). Dabei wurden 2.000 Erwachsene unter anderem zur Online-Kommunikation mit der Arzt-Praxis befragt. Hierbei wurde deutlich, dass bisher zwar 49 Prozent sich zukünftig einen Online-Kontakt zur Arztpraxis zum Beispiel bei der Terminvereinbarung vorstellen können, es jedoch lediglich 7 Prozent bereits anwenden. Bei der Frage „Welche Dinge würden Sie in Zukunft online mit Ihrem Arzt regeln?“ können sich die meisten die Rezeptausstellung vorstellen (42 % im Durchschnitt und 90 % der Nutzer, die bereits die Terminvereinbarung mit der Praxis online lösen [Online-Nutzer]). Ein Erst-­ oder Vorabgespräch per Video­chat können sich die Hälfte der Online-Nutzer vorstellen. Das Fazit von Vogt zur Studie: Der Tenor der Versicherten lautet, dass viele die Telemedizin möchten, aber auch die eigenständige Gewalt über die Daten beibehalten möchten. Denn 83 Prozent der Befragten wollen mit darüber entscheiden dürfen, welche Daten genau in der eigenen elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Dies ist, laut Vogt, aktuell so kaum umsetzbar.

Online-Videosprechstunde wird vergütet

Seit dem 1. April ist die Online-Videosprechstunde gesetzlich geregelt. Die Regelung sieht vor, Ärzten die Online-Videosprechstunde mit 9,20 € sowie einem Technikzuschlag von 4,21 € zu vergüten. Dieser Technikzuschlag wird für bis zu 50 Videosprechstunden im Quartal bezahlt. Der Bewertungsausschuss der Gesetzlichen Krankenversicherung geht davon aus, dass sich die Kosten bereits bei zwei Videosprechstunden pro Woche decken. Die Lizenzgebühren für Videodienste belaufen sich aktuell auf etwa 100 Euro im Quartal (Praxisnachrichten KBV). Laut Vogt sind Online-Videosprechstunden im Moment nur auf spezielle Indikationen begrenzt. So wird beispielweise die Dermatologie nicht berücksichtigt.

Über die KTBW:

Die Koordinierungsstelle für Telemedizin in Baden-Württemberg (kurz: KTBW) ist seit 2015 der zentrale Ansprechpartner für alle Belange der Telemedizin im Land. Durch kompetente Information und Beratung wird die sektorenübergreifende Vernetzung aller Akteure vorangetrieben, um die telemedizinische Versorgung in Baden-Württemberg nachhaltig zu verbessern.

Seiten-Adresse: https://www.telemedbw.de/fachartikel/ehealth-forum-freiburg-2017-it-in-der-medizin-nutzbringend-einsetzen