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Robert-Bosch-Kran­ken­haus und TK: Digi­tale Aufbruchs­stim­mung nutzen

Die Techniker Krankenkasse (TK) und das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) in Stuttgart sehen in der Digitalisierung des Gesundheitswesens eine große Chance, die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.

Die Corona-Krise hat nach Auffassung von Professor Dr. Mark Dominik Alscher, Medizinischer Geschäftsführer des RBK, und Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg, die Vorteile von telemedizinischen Behandlungen und Videosprechstunden deutlich werden lassen. "Diese Aufbruchsstimmung müssen wir bewahren und für eine konsequente Weiterentwicklung der Digitalisierung nutzen", so Alscher und Vogt in einer gemeinsamen Pressemitteilung. 

Medizinische Daten gehen via Tablet an das RBK

Was die Telemedizin konkret leisten kann wird sichtbar bei zwei gemeinsam von TK und RBK durchgeführten Projekten. Dabei werden derzeit über 500 TK-versicherte Patienten mit der Lungenkrankheit COPD und mit Herzschwäche vom Telemedizinischen Zentrum des RBK betreut. Im Lauf ihrer rund ein Jahr dauernden Teilnahme an dem Projekt leiten die Patienten über ein Tablet medizinische Daten wie Gewicht, Blutdruck oder Puls an das RBK und geben via Online-Fragebögen Informationen zu ihrem Gesundheitszustand. Im RBK  werden die Werte von erfahrenen Fachkräften geprüft. Bei Auffälligkeiten nehmen sie Kontakt mit den Patienten auf und raten bei größeren Problemen zu einem Arztbesuch. 

Risiken können frühzeitig erkannt werden

"Durch das Monitoring können wir Risiken frühzeitig erkennen und bei Bedarf sofort gegensteuern,  wenn sich eine Verschlechterung andeutet", sagt Benjamin Finger, Leiter des Telemedizinischen Zentrums am RBK. Dazu zählen derzeit insbesondere Symptome von Covid-19, die für chronisch kranke Lungen- oder Herzpatienten besonders gefährlich sind. Zudem erhalten die Patienten über das Tablet umfangreiche Schulungsunterlagen zu ihrer chronischen Erkrankung. 

Behandelnde Ärzte werden mit eingebunden

Die Patienten sind zwischen 40 und 80 Jahre alt und werden von der TK aus ganz Deutschland anhand medizinischer Kriterien ausgewählt - die Teilnahme ist natürlich freiwillig. Wichtig für die Akzeptanz des Programms bei den Patientinnen und Patienten ist laut Finger, dass die behandelnden Ärzte nicht außen vor gelassen werden, sondern mit eingebunden sind: "Telemedizin und klassische Behandlung vor Ort sind keine Konkurrenz, sondern ergänzen sich im Idealfall".

Jede vierte Arztpraxis in Baden-Württemberg plant Online-Sprechstunden

Generell ist die Akzeptanz für Telemedizin in Baden-Württemberg infolge der Corona-Krise nach Einschätzung der TK deutlich gestiegen. "Etwa 25 Prozent aller Arztpraxen planen, Online-Sprechstunden anzubieten", sagt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Im Februar waren es gerade mal neun. 

Der digitale Wandel ist in der Breite noch nicht angekommen

"Die Politik, die ärztlichen Körperschaften und die Krankenkassen haben viele Ampeln für die Digitalisierung auf grün gestellt, doch im Schatten der Leuchtturmprojekte ist der digitale Wandel im Gesundheitswesen in der Breite noch nicht angekommen", betont Vogt. Defizite sieht er in der Altenpflege, im Rettungswesen oder bei der Aus- und Fortbildung in den Gesundheitsberufen. "Durch fehlende digitale Vernetzung und Festhalten an ineffizienten und fehleranfälligen Prozessen und Strukturen ist die medizinische Versorgung nicht so gut wie sie sein könnte", so der Leiter der TK-Landesvertretung. Seine Forderung an die Landespolitik: Die vielen Modellprojekte im Südwesten zu einem umfassenden telemedizinischen Versorgungsnetz zusammenführen.

Informationsaustausch führt zu besserem Gesundheitsverhalten

Zu welchen Verbesserungen für die Patientinnen und Patienten die Telemedizin führen kann, wird bei den beiden Projekten in Stuttgart deutlich - nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie. Eine Befragung unter über 100 COPD-Patienten hat ergeben, dass infolge des kontinuierlichen Informationsaustauschs zwei Drittel mehr auf die korrekte Einnahme von Medikamenten achten und jeder Vierte mit dem Rauchen aufgehört hat.  

Weniger Sterbefälle und Klinikaufenthalte

Für das Telemedizin-Projekt Herz liegt noch keine Evaluation vor. Doch ein vergleichbares Projekt an der Berliner Charité hat gezeigt, dass sich die Zahl der Sterbefälle und Krankenhausaufenthalte um rund ein Viertel verringert hat. Auch Alscher sieht in derartigen Modellen massive Chancen: "Mit Hilfe neuer digitaler Lösungen können wir die Qualität der vernetzten Gesundheitsversorgung der uns anvertrauten Patienten weiter verbessern und ihnen noch mehr Sicherheitsgefühl geben".

Weitere Informationen:

Das technische Equipment wird von der Firma Philips zur Verfügung gestellt. Die Philips GmbH ist seit 2015 als Projektpartner mit dabei.

Die TK ist eine gesetzliche Krankenkasse, die in Baden-Württemberg rund 1,2 Millionen Menschen versichert. Allein im 2019 ist die TK hier um über 20.000 Mitglieder gewachsen. In Baden-Württemberg arbeiten rund 1.400 Mitarbeiter, unter anderem in 36 Kundenzentren.

Die Robert-Bosch-Krankenhaus GmbH (RBK) in Stuttgart ist ein von der Robert Bosch Stiftung getragenes Krankenhaus der Zentralversorgung mit Funktionen der Maximalversorgung an drei Standorten. Mit 1.041 Betten nehmen das RBK, seine Standorte Klinik Charlottenhaus und Klinik Schillerhöhe im Jahr über 43.000 Patienten stationär auf. Rund 2.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass sich die Patienten individuell betreut fühlen. Forschungsinstitute zur Klinischen Pharmakologie und zur Medizingeschichte sind dem Krankenhaus angegliedert.

Seiten-Adresse: https://www.telemedbw.de/fachartikel/robert-bosch-kran-ken-haus-und-tk-digi-tale-aufbruchs-stim-mung-nutzen